Therapie
192 „Schüsse” und ein Treffer
Die radiochirurgische Behandlung mit dem Gamma Knife Perfexion™ wird ambulant oder im Rahmen eines kurzstationären Aufenthaltes durchgeführt. Es ist nicht notwendig, nüchtern zur Behandlung zu erscheinen. Nachdem im Vorfeld die ausführliche Beratung und Aufklärung stattgefunden haben, folgt zum vereinbarten Termin die Behandlung mit dem Gamma Knife. Durch das hocheffiziente und damit schonende Verfahren lässt sich der Krankheitsherd mit einer so wirksamen Dosis bestrahlen, dass in der Regel eine einzige Sitzung ausreicht. Die eigentliche Behandlung ist dabei völlig schmerzfrei, lautlos und dauert je nach Anwendung zwischen 30 und 120 Minuten.
Demonstration der Gamma Knife Behandlung
(Präsentationsfilm des Herstellers ELEKTA)
Bestrahlungseinheit
Die 192 Kobalt-60-Strahlenquellen sind so abgeschirmt, dass der Bestrahlungsraum gefahrlos betreten werden kann, wenn keine Bestrahlung läuft. Mit Hilfe eines Blendensystems wird aus jeder Quelle ein feiner Strahl geformt, der sich mit allen anderen Strahlen im Fokuspunkt überlagert. Damit trägt jeder einzelne Strahl mit ca. 0,5% zur Gesamtdosis bei, die nötig ist, um den Krankheitsherd auszuschalten.
Stereotaktischer Rahmen
Um eine Bestrahlungsgenauigkeit im Submillimeterbereich zu gewährleisten, wird als erster Behandlungsschritt ein Rahmen am Kopf befestigt. Dieses Fixieren ist in der Neurochirurgie ein sehr häufig angewendetes Verfahren und kommt z.B. bei der Entnahme einer Biopsie zum Einsatz. Eine lokale Betäubung an den Befestigungsstellen macht diese schmerzunempfindlich. Der Rahmen dient als Bezug für die exakte Lokalisierung des Krankheitsherdes mit Hilfe der bildgebenden Verfahren.
Geräte der digitalen Bildgebung
Die genaue Lokalisierung des Krankheitsherdes mit bestmöglichen bildgebenden Verfahren wird unmittelbar vor der Behandlung durchgeführt. Damit ist sichergestellt, dass auch noch kurzfristige Veränderungen der Erkrankung bei der Therapie berücksichtigt werden können. Hierzu benutzen wir die große Erfahrung der Neuroradiologen der anliegenden Helios Klinik, womit uns die modernste bildgebende Infrastrukur zur Verfügung steht. Bei bestimmten Erkrankungen kann neben einer MRT (Magnetresonanztomographie) eine zusätzliche Untersuchung mit einem Computertomographen angezeigt sein.

Müssen Blutgefäße dargestellt werden, so werden in Zusammenarbeit mit der Neuroradiologischen Abteilung im Klinikum ein Digitale Subtraktionsangiographie (DSA) durchgeführt.
Alle Bilddaten werden mit modernster Computertechnologie (PACS, etc.) auf das Planungssystem des Gamma Knife übertragen.

Behandlungsplanung
Anhand der gewonnenen Bilddaten grenzt der Arzt den Krankheitsherd räumlich ab. Hierzu können alle Bilddaten, die mit dem stereotaktischen Rahmen als Referenz aufgenommen wurden, räumlich exakt überlagert werden. Zusätzlich lassen sich andere Bilddatensätze hinzufügen, nachdem sie rechnerisch an die Referenzen angepasst wurden (z.B. PET-Untersuchung). Diese Arbeiten sind nötig, um die bestmögliche Abgrenzung des Krankheitsherdes sicherzustellen.
Danach plant der Arzt die Strahlenbehandlung so, dass der Krankheitsherd mit exakt der Strahlendosis behandelt wird, die ein sicheres Ausschalten ermöglicht, und gleichzeitig das umgebende gesunde Gewebe sowie nahe gelegene Risikostrukturen maximal geschont werden.
Nachdem die Bestrahlungsplanung abgeschlossen ist, erfolgt die eigentliche radiochirurgische Behandlung. Hierzu wird der Patient in der Regel mehrmals in das Bestrahlungsgerät gefahren. Es wird dabei jeweils ein zuvor berechneter Punkt für eine bestimmte Zeit bestrahlt. Im weiteren Verlauf wird Strahlenpunkt für Strahlenpunkt (Isozentren) aneinandergereiht, bis der gesamte Krankheitsherd behandelt ist. Im Durchschnitt dauert eine Bestrahlung ein bis zwei Stunden. Auf Wunsch können Sie während dieser Zeit Musik hören.
Die Behandlung kann jederzeit unterbrochen werden, um eine Pause einzulegen. Nach der Behandlung wird der stereotaktische Rahmen sofort wieder abgenommen und die Befestigungsstellen mit einem Pflaster versorgt. Normalerweise können am übernächsten Tag die Haare wieder gewaschen werden. Die Befestigungsstellen verheilen in der Regel ohne Spuren.
Nachsorge
Während der radiochirurgischen Behandlung wird der Krankheitsherd nicht entfernt, sondern inaktiviert oder abgetötet. So ist es erforderlich, den Erfolg der Behandlung zu überprüfen und zu kontrollieren, ob Nebenwirkungen aufgetreten sind. Anhand neuer Kernspinaufnahmen werden Tumorvolumen genau ausgemessen und lässt sich bei Gefäßmissbildungen beurteilen, in wie weit diese bereits verschlossen sind.
Während Hirnmetastasen meistens nach sechs Wochen schrumpfen, benötigen gutartige Tumoren hierfür länger. Bei Angiomen kann es sogar einige Jahre dauern bis der Verschluss eingetreten ist. Deshalb vereinbaren wir mit Ihnen Kontrollintervalle in Abhängigkeit der Erkrankung zwischen sechs Wochen und einem Jahr.
Neben der Beurteilung der Kernspinbilder findet auch stets eine neurologische Untersuchung statt. Natürlich besteht für Sie immer die Gelegenheit, die Ergebnisse und das weitere Vorgehen eingehend mit uns zu besprechen. Weil unsere Patienten meist von mehreren Spezialisten behandelt werden, ist es für uns sehr wichtig, über die Behandlungen seitens anderer Ärzte informiert zu sein.
Sollte die Behandlung wider Erwarten nicht effektiv gewesen sein oder neue Tumoren aufgetreten sein, werden die therapeutischen Möglichkeiten erneut mit Ihnen besprochen. Falls Nebenwirkungen auftreten, wird geklärt, ob eine Behandlung notwendig ist und bei Bedarf umgehend in die Wege geleitet.
Die Behandlungsdaten sowie die Nachuntersuchungsdaten werden anonym, also ohne dass erkennbar ist, um welchen Patienten es sich handelt, in eine Datenbank eingegeben. Hierdurch verfügen wir über große Mengen an behandlungsrelevanten Daten und können durch wissenschaftliche Auswertung die Gamma Knife Methode weiter verbessern.

